Klären Sie bei der Website-Planung früh, für wen die Seiten gedacht sind und welche Fragen sie beantworten. So kann das Design die Informationen verständlich ordnen und nächste Schritte sichtbar machen.
Die Texte müssen dafür noch nicht endgültig freigegeben sein. Ein erster Textentwurf, klare Aussagen zum Nutzen und Vorgaben dazu, was Bilder zeigen sollen, reichen, um Layouts mit realistischen Inhalten zu entwerfen. So erkennen Sie früh, wenn eine Struktur nicht passt oder Informationen fehlen.
Inhalte geben dem Layout eine Aufgabe
Ein leeres Layout sagt wenig darüber aus, ob eine Seite später funktioniert. Sobald echte Überschriften, Erklärungen, Belege und Handlungsaufforderungen dazukommen, zeigt sich, wie viel Platz sie brauchen und in welcher Reihenfolge sie stehen sollten. Wenn Sie Texte erst spät einfügen, passen sie oft nicht mehr zur vorgesehenen Gestaltung.
Die Nielsen Norman Group empfiehlt, Inhalte von Anfang an in die Planung einzubeziehen. Auch ein Praxisbeitrag im Smashing Magazine beschreibt, wie reale Inhalte in frühen Prototypen helfen, Struktur und Darstellung zu prüfen. Das bedeutet nicht, dass Design bis zur endgültigen Textfreigabe warten muss. Erste Skizzen und Textentwürfe können parallel entstehen und gemeinsam überarbeitet werden.
Beginnen Sie mit dem Nutzerbedarf
Formulieren Sie zuerst, was eine bestimmte Person auf einer Seite herausfinden oder erledigen möchte. Ein Wunsch wie „Wir brauchen ein großes Bild auf der Startseite“ beschreibt bereits eine Gestaltungslösung. Ein Nutzerbedürfnis ist konkreter: Eine selbstständige Person möchte herausfinden, welches Angebot zu ihrer Situation passt, damit sie den nächsten Schritt wählen kann.
Die GOV.UK-Leitlinien empfehlen, Nutzerbedürfnisse anhand von Person, Aufgabe und Zweck zu beschreiben und mit vorhandenen Hinweisen zu überprüfen. Dazu können Suchanfragen, Rückfragen an den Kundenservice, Nutzungsdaten oder frühere Gespräche mit Kundinnen und Kunden gehören. Fehlen belastbare Hinweise, sollten Sie offene Annahmen markieren und gezielt prüfen, statt sie als gesicherte Bedürfnisse zu behandeln.
Leiten Sie daraus für jede Seite ein klares Ziel ab. Soll eine Person ein Angebot verstehen, verschiedene Möglichkeiten vergleichen oder Kontakt aufnehmen? Legen Sie auch fest, woran Sie erkennen, dass die Seite dieses Ziel unterstützt. So wird leichter entschieden, welche Inhalte nötig sind und welche lediglich interne Wünsche erfüllen.
Belegen Sie den versprochenen Nutzen
Eine Aussage zum Nutzen nennt ein konkretes Anliegen und den nachvollziehbaren Vorteil des Angebots. Schreiben Sie zum Beispiel nicht einfach, ein Angebot sei „flexibel“, sondern klären Sie, für wen diese Flexibilität zählt und worin sie besteht. Prüfen Sie anschließend, welche Produktmerkmale, Abläufe oder Beispiele die Aussage belegen.
Prüfen Sie fünf Punkte. Für wen ist das Angebot gedacht? Welches Problem oder Ziel ist wichtig? Welches Ergebnis versprechen Sie? Welcher Beleg stützt diese Aussage? Welche Grenze müssen Sie nennen, damit das Versprechen nicht zu weit geht? Diese Fragen sind eine redaktionelle Hilfe, keine Erfolgsformel. Aussagen ohne Beleg sollten Sie überarbeiten oder weglassen.
Sammeln Sie die Fakten möglichst früh bei den zuständigen Fachleuten. Halten Sie auch Einschränkungen fest, etwa welche Voraussetzungen ein Angebot hat oder für wen es nicht passt. Diese Informationen beeinflussen, welche Fragen der Text beantworten und welche Hinweise das Design sichtbar machen muss.
Planen Sie Texte und Bilder zusammen
Skizzieren Sie zunächst den Aufbau des Textes, bevor Sie jeden Absatz ausformulieren. Ordnen Sie die Inhalte danach, was Besucherinnen und Besucher zuerst verstehen müssen. Eine Angebotsseite könnte mit dem konkreten Nutzen beginnen, danach den Ablauf erklären, wichtige Nachweise zeigen und anschließend zum passenden nächsten Schritt führen.
Erstellen Sie früh einen realistischen Entwurf mit Überschriften, Fließtext, Links und Handlungsaufforderungen. Platzhaltertexte zeigen nicht, ob eine lange Überschrift Platz braucht oder eine Erklärung vor einer Entscheidung fehlt. Der Entwurf muss noch nicht perfekt sein, sollte aber die tatsächlichen Inhalte und ihre ungefähre Länge abbilden.
Behandeln Sie Bilder als Teil der Information. Legen Sie für jedes Bild fest, was es zeigen oder erklären soll. Ein Foto, das nur Stimmung erzeugt, erfüllt eine andere Aufgabe als eine Grafik, die einen Ablauf verständlich macht. Die Leitlinien des W3C unterscheiden unter anderem informative, dekorative und funktionale Bilder. Der Alternativtext, also die Beschreibung eines Bildes für Menschen, die es nicht sehen, richtet sich nach dem Zweck des Bildes. Er gibt wichtige Informationen oder die Funktion des Bildes wieder. Ein rein dekoratives Bild braucht keinen Alternativtext. Wichtige Informationen sollten außerdem auch als Text verfügbar sein.
Schreiben Sie ein Seitenbriefing
Ein Seitenbriefing ist eine kurze Zusammenfassung von Nutzerbedarf, Inhalten und Gestaltung. Es hilft Texterinnen, Designern und Fachverantwortlichen, dieselbe Aufgabe vor Augen zu haben. Für eine einzelne Seite können Sie folgende Punkte festhalten:
- Zweck: Welche Aufgabe erfüllt die Seite?
- Zielgruppe und Situation: Wer kommt auf die Seite, und was weiß oder braucht diese Person bereits?
- Nutzeraufgabe: Was soll die Person erfahren, entscheiden oder tun können?
- Erfolgskriterium: Woran erkennen Sie, dass die Seite ihr Ziel erfüllt?
- Kernaussage und Nutzen: Was soll hängen bleiben, und welcher belegbare Vorteil wird vermittelt?
- Inhalte und Belege: Welche Fragen, Einwände und Fakten müssen vorkommen?
- Nächster Schritt: Welche Handlungsaufforderung passt zur Situation?
- Bilder: Was sollen sie vermitteln, wo werden sie eingesetzt und welche Textalternativen sind nötig?
- Verantwortung: Wer liefert Fakten, prüft Aussagen, gibt die Seite frei und hält sie aktuell?
Dieses Briefing ist eine praktische Arbeitshilfe, kein verbindlicher Standard. Passen Sie es an Seitentyp und Projekt an. Für eine kurze Kontaktseite brauchen Sie weniger Inhaltsbausteine als für eine Seite, auf der Besucherinnen und Besucher ein komplexes Angebot vergleichen.
Prüfen Sie Entwurf und Design gemeinsam
Sobald erste Inhalte und Layoutskizzen vorliegen, sollten Sie beides zusammen prüfen. Achten Sie darauf, ob die wichtigste Aussage schnell auffällt, ob die Textmenge in die Struktur passt und ob Bilder tatsächlich etwas erklären. Prüfen Sie auch, ob Links und Handlungsaufforderungen verständlich sind.
Zeigen Sie einen frühen Prototyp Menschen aus der Zielgruppe und beobachten Sie, ob sie die Seite verstehen und ihre Aufgabe erledigen können. Überarbeiten Sie danach Text und Gestaltung gemeinsam. GOV.UK beschreibt Content Design, also die Planung und Gestaltung von Inhalten, visuelle Gestaltung und Nutzerforschung als Rollen, die bei der Entwicklung digitaler Angebote zusammenarbeiten. Neue Erkenntnisse können deshalb sowohl den Text als auch das Layout verändern.
Bei inhaltsreichen Informationsseiten lohnt es sich besonders, Nutzerfragen, Fakten und Textarten früh zu klären. Bei einem frühen Konzept oder einer Anwendung mit neuen Interaktionen können grobe Skizzen parallel zur Inhaltsarbeit entstehen. Entscheidend ist, dass größere Designentscheidungen nicht dauerhaft auf Annahmen oder Platzhaltertexten beruhen.