Webagentur auswaehlen: Briefing, Angebote und Zusammenarbeit
Bei der Wahl zwischen Webagentur und Freelancer entscheidet nicht die Größe des Anbieters, sondern die Vorbereitung des Projekts. Ein präzises Briefing – die klare Beschreibung Ihrer Ziele und Anforderungen – legt die Grundlage. Ein schriftlich festgehaltener Leistungsumfang verhindert Nachforderungen. Eine geregelte Übergabe bestimmt, ob Sie Ihre Website später selbst pflegen können.
Briefing vorbereiten
Das Briefing ist die Grundlage jeder Zusammenarbeit. Es beschreibt, was die Agentur über Ihr Unternehmen, Ihre Zielgruppe und Ihre Ziele wissen muss. Fehlt diese Beschreibung, arbeitet die Agentur mit Annahmen, und das Ergebnis passt am Ende nicht zu Ihren Erwartungen.
Ein vollständiges Briefing enthält vier Bausteine. Zuerst die Informationen über Ihr Unternehmen: Was verkaufen Sie, welche Position haben Sie im Markt, und was unterscheidet Sie von Wettbewerbern? Dann die Zielgruppe: Wen wollen Sie erreichen, welche Bedürfnisse hat diese Gruppe, und über welche Kanäle erreichen Sie sie? Drittens die Ziele: Was soll die Website bewirken, etwa mehr Anfragen, mehr Verkäufe oder mehr Anmeldungen? Viertens die Zielmessung: Woran erkennen Sie später, dass die Website erfolgreich ist?
Dazu gehört eine ehrliche Beschreibung bisheriger Maßnahmen. Was haben Sie bereits ausprobiert, was hat funktioniert, und was nicht? Diese Erfahrungen sparen der Agentur Zeit und verhindern, dass sie Fehler wiederholt. Wenn Sie bisher keine Website hatten oder die alte nicht mehr gepflegt wurde, sagen Sie das ebenfalls. Auch das ist eine Information.
Viele Unternehmen betreuen ihre Online-Aktivitäten zunächst selbst. Sobald die Ressourcen oder das Fachwissen fehlen, holen sie sich Unterstützung. Das ist ein häufiger Auslöser für die Zusammenarbeit mit einer Agentur. Beschreiben Sie im Briefing, welche Aufgaben Sie selbst übernehmen und welche die Agentur übernehmen soll.
Leistungsumfang festlegen
Der Leistungsumfang (im Fachjargon Scope of Work) beschreibt konkret, was die Agentur liefert. Ohne diese Festlegung entstehen Missverständnisse, weil beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen von Umfang und Qualität haben.
Legen Sie fest, welche Seiten die Website umfasst, welche Funktionen sie braucht und welche Inhalte erstellt werden. Klären Sie, wer Texte, Bilder und Videos liefert. Eine Website, deren Inhalte der Kunde selbst beisteuert, kostet weniger als eine, bei der die Agentur Redaktion und Fotografie übernimmt. Entscheiden Sie außerdem, wie viele Überarbeitungsrunden im Preis enthalten sind und wie der Zeitplan aussieht.
Auch was nicht enthalten ist, gehört in den Leistungsumfang. Wenn die Agentur das Hosting nicht übernimmt, die Einbindung eines bestimmten Shopsystems extra berechnet oder die Suchmaschinenoptimierung nur am Rande behandelt, halten Sie das schriftlich fest. So vermeiden Sie Nachforderungen, die erst nach Vertragsabschluss auftauchen.
Erstgespräch und Angebotsvergleich
Im Erstgespräch prüfen Sie, ob die Agentur zu Ihrem Projekt passt. Stellen Sie Fragen zum Ablauf, zur Kommunikation und zu Referenzen. Fragen Sie, wer die Arbeit tatsächlich ausführt, ob es einen festen Ansprechpartner gibt und wie die Agentur mit Feedback umgeht. Bitten Sie um Beispiele aus Ihrer Branche oder aus Projekten mit ähnlicher Komplexität.
Beim Vergleich der Angebote schauen Sie nicht nur auf den Preis. Zwei Angebote mit ähnlicher Summe können völlig unterschiedliche Leistungen enthalten. Prüfen Sie, welche Positionen aufgeführt sind, ob der Leistungsumfang vergleichbar ist und welche Zusatzkosten entstehen können. Ein günstiges Angebot, das wichtige Leistungen ausklammert, wird am Ende teurer als ein Angebot, das von Anfang an vollständig kalkuliert ist.
Achten Sie auch auf die Vertragsbedingungen. Wie sind Zahlungsziele geregelt, welche Kündigungsfristen gelten, und wem gehören die Rechte am fertigen Code? Diese Punkte stehen selten im Angebot, entscheiden aber über die spätere Zusammenarbeit.
Zusammenarbeit und Kommunikation
Eine Website entsteht nicht in einem Termin. Die Zusammenarbeit läuft über mehrere Wochen oder Monate, und die Qualität des Ergebnisses hängt davon ab, wie gut Sie und die Agentur kommunizieren.
Vereinbaren Sie zu Beginn einen festen Ansprechpartner auf beiden Seiten. Klären Sie, über welchen Kanal Sie kommunizieren, ob es regelmäßige Statusberichte gibt und wie schnell die Agentur auf Rückfragen reagiert. Legen Sie Meilensteine fest, an denen Sie Zwischenergebnisse sehen und Feedback geben. Je früher Sie Abweichungen bemerken, desto einfacher ist die Korrektur.
Geben Sie Feedback konkret und begründet. Statt "das gefällt mir nicht" hilft der Agentur eine Beschreibung wie "die Schaltfläche sollte auf der Startseite weiter oben stehen, weil Kunden sie dort zuerst suchen". Je präziser Ihre Rückmeldung, desto weniger Überarbeitungsrunden braucht das Projekt.
Abnahme, Übergabe und Pflege
Vor der Freischaltung prüfen Sie die Website gegen den vereinbarten Leistungsumfang. Testen Sie alle Seiten, Funktionen und Formulare, idealerweise auf verschiedenen Geräten und Browsern. Erst wenn Sie die Website abnehmen, geht sie live. Halten Sie fest, welche Punkte noch offen sind und bis wann die Agentur sie behebt.
Zur Übergabe gehört der Zugang zu allen wichtigen Systemen. Dazu zählen die Domain, das Hosting, das Content-Management-System und die Statistik-Tools. Wenn Sie diese Zugänge selbst besitzen, bleiben Sie unabhängig von der Agentur und können später den Anbieter wechseln. Auch der Quellcode sollte Ihnen gehören oder zumindest zugänglich sein.
Nach der Freischaltung endet die Zusammenarbeit nicht zwangsläufig. Klären Sie, wer die Website pflegt. Technische Updates, Sicherheitspatches und Backups müssen regelmäßig erledigt werden, und auch inhaltliche Änderungen fallen an. Viele Agenturen bieten Wartungsverträge an, Sie können diese Aufgaben aber auch selbst übernehmen oder an einen anderen Dienstleister vergeben. Entscheiden Sie das bewusst, bevor die Website fertig ist, damit keine Lücke entsteht.