Website Relaunch vorbereiten: Checkliste fuer kleine Unternehmen
Ein Website Relaunch ist mehr als ein neues Design: Texte, URLs, Bilder, Technik und die Frage, wer die Website danach pflegt, gehören dazu. Für kleine Unternehmen zählt vor allem: Die Geschäftsführung oder die Inhaberinnen und Inhaber übernehmen die Verantwortung, der Projektumfang bleibt überschaubar. Die Entscheidungen vor dem Relaunch, beim Start und danach legen fest, ob die Website nur gut aussieht oder auch funktioniert.
Owner Economy bedeutet: Das Unternehmen entscheidet selbst, was wichtig ist, hält den Plan übersichtlich und bleibt nach dem Launch handlungsfähig. Eine Agentur oder ein technischer Dienstleister unterstützt dabei, aber die Verantwortung für Ziele, Inhalte und Pflege bleibt bei der Geschäftsführung.
Ziele und Verantwortliche festlegen
Bevor ein Design entsteht, sollte feststehen, was die neue Website erreichen soll. Drei bis fünf priorisierte Ziele reichen. Typische Beispiele sind mehr qualifizierte Kontaktanfragen, eine bessere Auffindbarkeit der wichtigsten Leistungen, weniger Rückfragen zu Abläufen und Angebot, eine einfachere Pflege durch das eigene Team oder eine bessere Darstellung auf Mobilgeräten.
Diese Ziele sind Planungsempfehlungen, keine Erfolgsversprechen. Ein Relaunch erzeugt nicht automatisch mehr Besucher oder mehr Anfragen. Er schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Website ihr Angebot klar kommuniziert und die richtigen Kontaktwege anbietet.
Für jeden Punkt der Checkliste sollte eine Person benannt werden, die ihn freigibt. Das gilt für Angebote, Inhalte, Technik und die Abnahme. Wenn niemand klar verantwortlich ist, bleiben Entscheidungen liegen und das Projekt verzögert sich.
Bestandsaufnahme der alten Website
Die Bestandsaufnahme zeigt, was die alte Website bereits hat, bevor sie geändert wird. Google empfiehlt, bei einem Website- oder URL-Umzug zuerst die wichtigen bestehenden URLs zu ermitteln. Dafür kommen XML-Sitemaps, Analysedaten, Server-Logs, interne und externe Verlinkungen sowie das Content-Management-System infrage.
Für eine kleine Website genügt eine einfache Tabelle. Sie erfasst die Bereiche Seiten, URLs, Inhalte, Medien, Funktionen, Technik, Verlinkungen und Verantwortlichkeit. Die Tabelle wird später für die Weiterleitungsplanung und die Nachpflege weiterverwendet, sie sollte also nicht nach dem Launch verschwinden.
Nicht jede Unterseite ist gleich wichtig. Die erste Priorität konzentriert sich auf Seiten mit viel organischem Traffic, vielen Backlinks, hoher Bedeutung für bestehende Kunden oder hoher Conversion-Relevanz. Eine vollständige Inventarliste und eine Prioritätenliste haben unterschiedliche Aufgaben: Die Prioritätenliste entscheidet, was zuerst geprüft und migriert wird.
Inhalte prüfen und priorisieren
Inhalte sollten nicht einfach von der alten auf die neue Website kopiert werden. Google stellt in seinen Richtlinien den Nutzen für Menschen in den Vordergrund: Inhalte brauchen eine erkennbare Zielgruppe, einen klaren Zweck und einen echten Nutzen für Leserinnen und Leser.
Für die Prüfung hilft eine Entscheidungsmatrix. Ist der Inhalt noch fachlich korrekt? Passt er noch zum Angebot? Wird die Seite tatsächlich genutzt? Beantwortet sie eine konkrete Frage? Gibt es eine inhaltliche Doppelung? Kann das Unternehmen den Inhalt später selbst pflegen?
Leistungsseiten sollten nicht nur Leistungen aufzählen, sondern typische Fragen beantworten. Die Startseite sollte schnell erklären, für wen das Unternehmen arbeitet und welches Problem es löst. Fachbegriffe werden erklärt, wenn die Zielgruppe sie nicht selbstverständlich kennt. Veraltete Angebote, nicht mehr gültige Preise und alte Ansprechpartner müssen vor dem Launch geprüft werden.
Ein fester Textumfang ist kein Qualitätskriterium. Eine kurze, präzise Leistungsseite kann mehr wert sein als eine lange mit Fülltext. Wichtig ist, dass der Inhalt eine echte Frage beantwortet und aktuell bleibt.
Alte URLs und Weiterleitungen planen
Die wichtigste Vorbereitungsarbeit ist die Zuordnung von alten zu neuen URLs. Google bezeichnet dieses Mapping als zentralen Bestandteil eines URL-Umzugs. Für jede relevante Adresse muss eine Entscheidung getroffen werden: Sie bleibt unverändert bestehen, wird auf eine neue, inhaltlich passende Seite weitergeleitet, mit einer anderen Seite zusammengeführt oder entfällt endgültig.
Die alte URL sollte auf die thematisch passende neue Seite zeigen. Eine Sammelweiterleitung aller alten Seiten auf die Startseite ist keine gute Lösung: Google behandelt viele irrelevante alte URLs, die auf eine einzige Startseite zeigen, als Soft-404-Signal. Bei gelöschten Inhalten muss geprüft werden, ob eine Weiterleitung sinnvoll ist oder die Adresse korrekt als nicht vorhanden ausgeliefert wird.
Bei geänderten URLs empfiehlt Google serverseitige permanente Weiterleitungen, etwa 301 oder 308. Diese Weiterleitungen sollten direkt auf das endgültige Ziel zeigen. Mehrere aufeinanderfolgende Weiterleitungen erhöhen die Latenz. Googlebot kann bis zu zehn Schritte in einer Kette verfolgen, empfiehlt aber direkte Ziele und höchstens drei bis fünf Schritte.
Die Weiterleitungen sollten mindestens ein Jahr bestehen bleiben. Für Nutzer kann eine längere oder dauerhafte Beibehaltung sinnvoll sein, während man interne Links und besonders wichtige externe Links auf die neuen URLs umstellt.
Für kleine und mittlere Websites empfiehlt Google, den Umzug grundsätzlich vollständig und nicht in vielen kleinen Abschnitten durchzuführen. Bei einer großen Website kann ein schrittweises Vorgehen die Kontrolle erleichtern. Wenn gleichzeitig Domain, CMS, Informationsstruktur und Design geändert werden, steigt die Zahl der möglichen Fehlerquellen.
Designziele für Nutzer und Unternehmen setzen
Das Design dient konkreten Geschäfts- und Nutzerzielen, nicht nur der Optik. Besucher sollen schnell verstehen, was das Unternehmen anbietet und für wen es arbeitet. Wichtige Leistungen müssen ohne lange Suche erreichbar sein. Kontaktaufnahme, Rückruf oder Terminbuchung müssen eindeutig sein.
Die Website muss auf mobilen Geräten funktionieren, Texte müssen gut lesbar sein und Navigation und Seitentypen sollten konsistent bleiben. Das visuelle Erscheinungsbild sollte zur tatsächlichen Positionierung des Unternehmens passen. Und die Inhalte müssen sich im CMS ohne Spezialwissen bearbeiten lassen.
Vor dem Design werden drei bis fünf priorisierte Ziele festgehalten. Diese Ziele dienen als Grundlage für die Entscheidung, welche Elemente die neue Website bekommt und welche nicht. Ein Design, das nur neu aussieht, aber keine dieser Fragen beantwortet, ist kein Fortschritt.
Bildmaterial prüfen und vorbereiten
Bilder müssen sowohl inhaltlich als auch technisch geprüft werden. Google nennt bei einem Website-Umzug ausdrücklich Bilder und Downloads als Inhalte, die von neuen Speicherorten oder Adressen betroffen sein können. Welche Bilder zeigen tatsächlich das Unternehmen oder die Leistung? Sind die Motive aktuell und glaubwürdig? Werden alte Bilddateien weiterhin extern verlinkt?
Für die technische Vorbereitung sind Bildnamen, Bildgrößen und Formate sinnvoll. Bilder machen oft einen großen Anteil der übertragenen Daten aus. Responsive Bilder mit Größenangaben lassen dem Browser, eine besser passende Bildgröße auszuwählen. Bildbreite und -höhe im HTML helfen dem Browser, bereits vor dem Laden Platz für das Bild vorzusehen, was Layoutverschiebungen reduziert.
Die Barrierearmut gehört zur Bildauswahl. Informative Bilder brauchen einen sinnvollen Alternativtext, verlinkte oder interaktive Bilder einen funktional passenden und rein dekorative Bilder einen leeren Alternativtext. Eine pauschale optimale Dateigröße für jedes Bild gibt es nicht, die passende Größe hängt von Layout, Format, Kompression und Bildschirmgröße ab.
Technische Abnahme vor dem Launch
Die technische Abnahme ist die Freigabeprüfung, bevor die neue Website live geht. Ein Relaunch ist nicht fertig, wenn die Seite auf einem einzelnen Rechner gut aussieht. Die Prüfung bezieht unterschiedliche Browser, Bildschirmgrößen und mobile Nutzungssituationen ein.
Die Abnahmeliste umfasst Erreichbarkeit, Navigation, Formulare, Performance und Indexierung. Die Domain muss auf die neue Website zeigen, HTTPS muss funktionieren und die Hauptseiten müssen den erwarteten Statuscode liefern. Die alte Website und die Datenbank müssen gesichert sein, und die Serverkapazität muss den zusätzlichen Zugriff verkraften, den ein neuer Standort nach einer Migration vorübergehend erhält.
Die Hauptnavigation und die Footer-Links müssen funktionieren, interne Links müssen auf aktuelle URLs zeigen. Das Kontaktformular muss sich absenden lassen, Pflichtfelder und Fehlermeldungen müssen funktionieren und die Eingangsadresse muss Testnachrichten erhalten. Testen Sie außerdem Terminbuchung, Suche, Downloads und andere zentrale Funktionen.
Bei der Performance gelten die Core Web Vitals als Orientierung: LCP bis 2,5 Sekunden, CLS bis 0,1 und INP bis 200 Millisekunden sind im guten Bereich. Diese Werte sind technische Orientierung, keine Zusage für gute Rankings. Ein gutes Laborergebnis bedeutet weder gute Rankings noch mehr Anfragen.
Für die Indexierung müssen Sie noindex aus der Entwicklungsumgebung entfernen, robots.txt prüfen, Canonical-Angaben auf die neuen URLs setzen und die XML-Sitemap einreichen. Eine Sitemap hilft Suchmaschinen beim Entdecken neuer URLs, sichert aber weder Crawling noch Indexierung. Eine einzelne Sitemap darf maximal 50 MB unkomprimiert oder 50.000 URLs enthalten.
Launch-Termin und Launch-Tag organisieren
Der Launch-Tag sollte in eine Phase mit weniger Traffic liegen. Google empfiehlt das, damit weniger Nutzer betroffen sind, wenn nach dem Start Fehler auftreten, und damit Serverressourcen für Crawling und Tests bereitstehen.
Für kleine Unternehmen kommen weitere Kriterien hinzu. Der Termin sollte nicht unmittelbar vor einem wichtigen Verkaufszeitraum liegen. Auch während Urlaub oder Abwesenheit der einzigen verantwortlichen Person passt er nicht, ebenso wenig direkt vor einem Wochenende, wenn niemand Fehler beheben kann. Testbestellungen oder Testanfragen müssen sofort kontrolliert werden können, und ein Zeitfenster für Fehlerbehandlung oder Rückfall sollte eingeplant sein.
Ein geeigneter Launch-Plan enthält feste Aufgaben für die Zeitpunkte vor, während und nach dem Start. Vor dem Launch werden Backup, URL-Mapping, Abnahme, Zugänge und Ansprechpartner geprüft. Zum Launch wird die neue Version aktiviert, die Weiterleitungen werden eingeschaltet und Indexierungsblockierungen entfernt. Danach folgen Startseite, wichtigste Leistungsseiten, Formulare und mobile Ansicht. Am selben Tag werden Weiterleitungen, Serverfehler, Tracking und Erreichbarkeit kontrolliert.
Bei einem signifikanten Website-Umzug können Suchrankings vorübergehend schwanken. Google beschreibt für kleine und mittlere Websites einen Zeitraum von einigen Wochen oder länger, in dem neue URLs schrittweise verarbeitet und sichtbar werden können.
Nachpflege nach dem Launch
Die Nachpflege beginnt schon vor dem Launch. In den ersten 24 Stunden öffnet man die Website von mehreren Geräten und testet Startseite, wichtigste Leistungsseiten und Kontaktwege. Weiterleitungen werden stichprobenartig geprüft, Formulare und E-Mail-Eingänge kontrolliert. Die Serverfehler und auffällige Log-Einträge werden geprüft, der Status der Search Console wird kontrolliert.
In der ersten Woche werden 404-Fehler gesammelt und priorisiert, häufig besuchte alte URLs überprüft. Suchanfragen und Einstiegsseiten werden verglichen, die mobile Darstellung erneut geprüft. Rückmeldungen von Mitarbeitenden und Kunden werden gesammelt, falsch verlinkte externe Profile und Kampagnen korrigiert.
In den ersten Wochen kontrolliert man die Indexierung der wichtigsten Seiten, betrachtet Traffic und Kontaktanfragen nicht nur insgesamt, sondern nach einzelnen Seiten und beobachtet die Performance unter realen Bedingungen. Inhalte, die weiterhin Fragen offenlassen, werden nachgearbeitet. Die Redaktionsroutine und die Zuständigkeit werden festgelegt.
Danach folgt eine monatliche oder quartalsweise Inhaltsprüfung, bei der Angebote, Ansprechpartner, Öffnungszeiten und Referenzen aktuell bleiben. Backups, CMS, Plugins und technische Komponenten werden regelmäßig geprüft. Die Erfolgsmessung betrachtet nicht nur Rankings, sondern auch qualitative Ziele wie passende Anfragen und weniger Rückfragen.
Kompakte Abhakliste
Die kompakte Abhakliste fasst die wichtigsten Prüfpunkte des Relaunch-Projekts zusammen. Sie dient als schnelle Kontrolle für Geschäftsführung und Projektteam. Die ausführlichen Erläuterungen zu jedem Punkt stehen in den vorangehenden Abschnitten.
- Bestandsaufnahme der alten Website mit Prioritätenliste
- Inhalte prüfen: behalten, überarbeiten, zusammenführen, löschen
- Alte URLs erfassen und neue Ziele zuweisen
- Weiterleitungen planen, testen und mindestens ein Jahr behalten
- Designziele für Nutzer und Unternehmen setzen
- Bildmaterial inhaltlich und technisch prüfen
- Technische Abnahme mit Navigation, Formularen und Performance
- Launch-Termin mit Zeitfenster für Fehlerbehandlung wählen
- Nachpflege in den ersten Tagen und Wochen einplanen