Schritt 02 / Selbst bauen oder beauftragen

Homepage-Baukasten oder CMS: Welcher Weg führt zur Website?

Wer eine Website braucht, steht vor der Wahl: Homepage-Baukasten wie Wix oder Squarespace oder Content-Management-System (CMS) wie WordPress. Entscheidend sind der Zweck der Website und die Person, die sie später pflegt.

Ein Baukasten bündelt Editor, Vorlagen, Hosting und Updates in einem Dienst. Ein CMS verwaltet Inhalte und lässt sich mit Themes und Erweiterungen ausbauen, verlangt aber mehr eigene Organisation. Beide Wege führen zu guten Websites, wenn die Inhalte stimmen und die Pflege gesichert ist.

Mobile, Ladezeit und Barrierefreiheit

Eine gute Website beantwortet die Fragen der Besucher und führt zu einem klaren nächsten Schritt. Besucher wollen ein Produkt kaufen, einen Termin buchen oder eine Adresse finden. Die Seite muss sofort zeigen, für wen sie ist und was Besucher dort tun können. Google empfiehlt, Inhalte an den Informationsbedarf der Menschen anzupassen, statt für Suchmaschinen zu schreiben. Das klingt banal, ist aber der Kern: Eine Plattform oder ein SEO-Plugin sorgt nicht für Sichtbarkeit, wenn die Texte niemandem helfen.

Dazu kommen konkrete Qualitätsmaßstäbe. Die Seite muss auf dem Handy genauso funktionieren wie am Rechner. Für die mobile Indexierung erwartet Google, dass die wichtigsten Inhalte auf dem Handy und am Rechner gleichwertig verfügbar sind. Die Ladezeit lässt sich mit den Core Web Vitals messen. Der größte sichtbare Inhalt sollte in unter 2,5 Sekunden laden. Die Reaktionsfähigkeit sollte unter 200 Millisekunden bleiben. Die visuelle Stabilität sollte unter 0,1 bleiben. Das sind Richtwerte, keine Garantie für bessere Rankings, aber ein brauchbarer Funktionstest.

Barrierefreiheit ist der dritte Baustein. Die internationalen Richtlinien WCAG verlangen zum Beispiel einen Textkontrast von mindestens 4,5 zu 1, bei großem Text 3 zu 1. Wer Formulare, Tastaturbedienung und Kontraste prüft, erreicht mehr Menschen und vermeidet rechtliche Probleme. Das deutsche Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 für bestimmte Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr. Kleinstunternehmen sind ausgenommen. Ob Ihre Website betroffen ist, müssen Sie im Einzelfall prüfen.

Was ein Baukasten leistet

Ein Baukasten bündelt alles in einem Dienst: Editor, Designvorlagen, Hosting und technische Pflege. Wix richtet die Website automatisch ein und übernimmt Updates, dafür muss die Website auf der Infrastruktur von Wix laufen. Das ist der Vorteil und zugleich die Grenze. Wenn Sie wenig Technikwissen haben und schnell eine ordentliche Seite wollen, kommen Sie mit einem Baukasten meist schneller ans Ziel. Die Vorlagen liefern einen brauchbaren Ausgangspunkt, und der Anbieter kümmert sich um Server und Sicherheitsupdates.

Der Preis dafür ist, dass Sie die Website nur eingeschränkt wechseln können. Wix erklärt, dass die Inhalte dem Nutzer gehören, die Website selbst aber nicht einfach auf einen anderen Host übertragbar ist. Squarespace dokumentiert einen eingeschränkten Export: Sie können bestimmte Inhalte exportieren, aber nicht alle Seitentypen, Gestaltungseinstellungen und Funktionen. Beim Wechsel zu WordPress können Bilder fehlen oder Formatprobleme auftreten. Wenn Sie planen, die Website später zu einem anderen Anbieter umzuziehen, prüfen Sie die Exportbedingungen vorher.

Was ein CMS praktisch bedeutet

Ein Content-Management-System wie WordPress.org verwaltet Inhalte und lässt sich mit Themes, Plugins und eigenen Erweiterungen ausbauen. Das selbst gehostete Modell ist quelloffen. Die Software läuft auf einem eigenen Server oder bei einem Hosting-Anbieter. Mehr Freiheit bedeutet mehr Entscheidungen, etwa bei Theme, Plugins und Hosting. WordPress empfiehlt, Plugins aktuell zu halten und vor Updates ein Backup anzulegen, weil Kompatibilitätsprobleme auftreten können. Wenn Sie das nicht selbst übernehmen wollen, müssen Sie jemanden dafür bezahlen.

Der Vorteil ist die Kontrolle. Wenn Sie individuelle Abläufe brauchen, etwa einen eigenen Shop mit speziellen Zahlungswegen oder eine Redaktionsstruktur mit mehreren Autoren, finden Sie im CMS mehr Spielraum. Auch der Wechsel ist offener: Die Software ist quelloffen, und Importfunktionen erleichtern den Umzug. Das heißt aber nicht, dass ein Umzug ohne Arbeit gelingt. Ein offenes System verschiebt die Pflegearbeit nur, sie verschwindet nicht.

Komfort gegen Kontrolle abwägen

Der Zielkonflikt lässt sich auf eine Formel bringen: Wer Komfort will, gibt Kontrolle ab. Wer Kontrolle will, übernimmt Pflege. Ein Baukasten nimmt dem Betreiber die technische Verantwortung ab, bindet ihn aber an die Plattform. Ein CMS gibt mehr Freiheit, verlangt aber regelmäßige Updates, Backups und Kompatibilitätsprüfungen. Beides ist legitim, solange die Entscheidung bewusst fällt.

Wichtig ist, die Systeme nicht pauschal zu vergleichen. Es gibt gehostete CMS-Angebote wie WordPress.com, die sich anders verhalten als selbst gehostetes WordPress.org. Und nicht jeder Baukasten hat dieselben Exportregeln wie Wix oder Squarespace. Wenn Sie ein konkretes Produkt prüfen, lesen Sie die Dokumentation des Anbieters und prüfen Sie die Punkte, die für Ihr Projekt zählen: Exportumfang, Hosting-Bindung, Update-Verantwortung und Kosten.

Entscheidung nach Bedarf

Die Werkzeugfrage lässt sich mit vier praktischen Punkten klären. Erstens die Häufigkeit der Änderungen: Wenn Sie selten etwas aktualisieren, brauchen Sie keinen komplexen Redaktionsablauf. Zweitens die besonderen Funktionen: Ein Onlineshop mit speziellen Anforderungen oder eine mehrsprachige Seite kann einen Baukasten an seine Grenzen bringen. Drittens die Pflegeverantwortung: Wenn niemand Zeit oder Budget für laufende Wartung einplant, ist ein Baukasten mit gebündeltem Betrieb die ehrlichere Wahl. Viertens die Kontrolle und der spätere Umzug: Wenn Sie nicht ausschließen wollen, die Website irgendwann zu wechseln, sollten Sie die Exportbedingungen vorher kennen.

Eine belastbare Kostenrechnung über mehrere Jahre gibt es nicht, und einen neutralen Vergleich, der Baukasten und CMS bei identischem Design, Inhalt und Betrieb direkt misst, findet man nirgends. Sinnvoll ist ein eigenes Kostenraster: Einrichtung, Abo oder Hosting, Domain, Zusatzfunktionen, Arbeitszeit, Wartung und ein möglicher späterer Wechsel. Wenn Sie diese Posten für zwei konkrete Produkte gegenüberstellen, bekommen Sie ein realistischeres Bild als jede pauschale Empfehlung.