Eine Website kann modern aussehen und trotzdem schwer zu bedienen sein. Die häufigsten Fehler betreffen die Verständlichkeit: Inhalte, die auf dem Smartphone verschwinden, unlesbare Kontraste, Formulare ohne Beschriftung, Bilder ohne Alternative, langsame Seiten und eine Navigation, die nur internen Strukturen folgt.
Diese Fehler treten auf vielen Websites auf. Mit klaren Prüfschritten lassen sie sich vermeiden. Der Maßstab für gutes Webdesign ist, ob Besucher Inhalte finden, verstehen und bedienen können. Dafür genügen ein paar handfeste Kontrollen.
Nur für den Desktop gestalten
Wer die Desktop-Version als vollständige Version behandelt und auf dem Smartphone Inhalte weglässt, versteckt diese Inhalte vor vielen Besuchern. Google verwendet die mobile Version einer Website für die Indexierung, also dafür, welche Inhalte in den Suchergebnissen erscheinen. Die mobile Darstellung darf anders aussehen als die Desktop-Version, sollte aber die wesentlichen Inhalte und klaren Überschriften behalten. Inhalte, die erst nach einer Nutzeraktion geladen werden, kann Google unter Umständen nicht erfassen.
Responsives Design, bei dem sich eine Seite flexibel an die Bildschirmbreite anpasst, empfiehlt Google, weil es am einfachsten umzusetzen und zu warten ist. Prüfen Sie nicht nur, ob sich die Seite auf dem Smartphone öffnen lässt, sondern auch, ob Texte, Navigation und zentrale Funktionen dort nutzbar und auffindbar bleiben. Testen Sie das auf einem echten Gerät statt nur im schmalen Browserfenster.
Kontrast und Bedienelemente vernachlässigen
Schwache Kontraste lassen sich messen. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), der internationale Standard für barrierefreie Websites, verlangen für normalen Text ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 und für großen Text 3:1. Das Verhältnis beschreibt den Helligkeitsunterschied zwischen Text und Hintergrund und lässt sich mit kostenlosen Prüfwerkzeugen messen. Diese Werte gelten für die genannten Fälle; sie decken nicht jeden visuellen Zustand ab.
Eine automatisierte Stichprobe des Dienstleisters Barrierewerk fand im August 2026 bei 87 Prozent von 678 untersuchten Websites mindestens einen Kontrastmangel. Bei 85,1 Prozent hatten Links oder Schaltflächen keinen Namen, bei 83,5 Prozent war die Überschriftenstruktur fehlerhaft. Ohne Namen wissen Nutzer von Screenreadern, also Programmen, die den Bildschirminhalt vorlesen, nicht, wohin ein Link führt oder was ein Button auslöst. Das sind häufige, vermeidbare Befunde.
Prüfen Sie Kontrastwerte mit einem Werkzeug; der Eindruck am eigenen Bildschirm reicht dafür nicht. Benennen Sie Icon-Buttons und Links so, dass klar ist, wohin sie führen oder was sie auslösen. Und kennzeichnen Sie Überschriften in der Seitenstruktur als Überschriften, damit Screenreader und Suchmaschinen die Gliederung erkennen. Eine automatische Prüfung findet die groben Fehler zuverlässig, ersetzt aber keine vollständige manuelle Kontrolle.
Formulare ohne klare Beschriftung
Ein Eingabefeld, dessen Zweck nur aus einem Platzhaltertext hervorgeht, wird zum Problem, sobald der Platzhalter beim Tippen verschwindet. Dann müssen Nutzer sich merken, was sie eintippen sollten. Die W3C-Richtlinien empfehlen deshalb, jedes Formularfeld mit einer sichtbaren Beschriftung zu verbinden. Korrekt verknüpfte Beschriftungen helfen auch Screenreadern und vergrößern bei manchen Steuerelementen die anklickbare Fläche.
In derselben Stichprobe hatte mehr als die Hälfte der Websites, nämlich 57,8 Prozent, mindestens ein Formularfeld ohne Beschriftung. Dazu kommen unklare Fehlermeldungen: Wer einen Fehler nur durch eine Farbänderung signalisiert, erklärt nicht, was zu korrigieren ist. Beschriften Sie jedes Feld sichtbar und erklären Sie, welche Angaben erforderlich sind und welches Format erwartet wird. Fehlermeldungen formulieren Sie so, dass sie zur Korrektur führen. Zu viele Anweisungen verwirren ebenfalls, beschränken Sie sich also auf das Nötige.
Bilder ohne passende Textalternative
Der Alternativtext ist die Textbeschreibung eines Bildes, die Screenreader vorlesen und Suchmaschinen auswerten. Ein fehlender Alternativtext ist ein häufiger Fehler. Aber auch ein unnötiger Beschreibungstext bei rein dekorativen Bildern ist falsch. Die W3C-Richtlinien unterscheiden nach Funktion und Kontext: Ein informatives Bild braucht eine Textalternative, die die Information vermittelt. Ein dekoratives Bild kann mit leerem Alternativtext ausgezeichnet werden, damit Screenreader es übergehen. Bei verlinkten oder bedienbaren Bildern sollte die Alternative das Ziel oder die Funktion nennen.
In derselben Erhebung fehlte bei 36,9 Prozent der Websites mindestens einem Bild die Textalternative. Entscheidend ist, welche Information oder Funktion das Bild trägt: Geht diese Information ohne das Bild verloren, gehört sie in den Alternativtext. Eine pauschale Beschreibung jedes Bildes ist selten richtig.
Performance und Stabilität vernachlässigen
Langsame Seiten entstehen selten durch eine einzelne Ursache. Pauschale Urteile über bestimmte Techniken helfen nicht weiter. Messen Sie stattdessen, wie die Seite bei echten Nutzern ankommt. Google nennt dafür drei Kennzahlen, die Core Web Vitals: Der größte sichtbare Inhalt sollte innerhalb von 2,5 Sekunden erscheinen (LCP), die Seite sollte auf Eingaben in unter 200 Millisekunden reagieren (INP), und die Layoutverschiebung beim Laden sollte unter 0,1 bleiben (CLS).
Diese Zielwerte sind eine Orientierung für die Nutzererfahrung. Google sagt nicht, dass diese Kennzahlen allein über die Suchplatzierung entscheiden. Prüfen Sie, ob der wichtigste Inhalt zügig erscheint, ob Schaltflächen ohne spürbare Verzögerung reagieren und ob Elemente beim Laden unerwartet springen, sodass Besucher daneben klicken. Testen Sie das mit echten Geräten und langsamen Verbindungen; dort zeigen sich die Stellen, an denen Bilder, Skripte oder Schriftarten die Seite ausbremsen.
Navigation nach internen Strukturen bauen
Eine Navigation, die der Organisationsstruktur des Unternehmens folgt, hilft Besuchern selten. Nutzer suchen nach Aufgaben und Angeboten; die interne Abteilungsstruktur interessiert sie dabei kaum. Eine Sitemap gleicht eine unklare Navigation nicht aus. In einer Studie der Nielsen Norman Group griffen bei einer schwierigen Suchaufgabe 8 von 14 Teilnehmenden mindestens einmal auf die Suche zurück, und einige verwendeten lieber eine allgemeine Suchmaschine als die Sitemap der Website.
Daraus folgt keine Universallösung. Eine interne Suche ist nicht auf jeder kleinen Website nötig, und eine gute Navigation bleibt die Basis. Richten Sie die Informationsarchitektur, also die Anordnung und Benennung der Inhalte, an den Aufgaben der Zielgruppe aus, und testen Sie mit echten Nutzern, ob sie Angebote und Informationen finden. Bei umfangreichen Angeboten ergänzen sich Navigation und Suche, aber die Suche ersetzt keine klare Struktur.