Schritt 05 / Gestalten

Das passende Webdesign-Konzept für Ihr Projekt wählen

Bevor Sie die Technik wählen, klären Sie zuerst, was die Website leisten soll, wer sie pflegt und welche Funktionen wirklich nötig sind. Erst danach ergibt die Frage nach Baukasten, Content-Management-System oder individueller Entwicklung Sinn. Wer diese Reihenfolge einhält, spart Zeit und Geld.

Ziel und Nutzeraufgaben klären

Bevor Sie über Farben, Schriften oder Animationen nachdenken, sollten Sie festhalten, was Besucher auf der Website finden oder tun sollen. Typische Aufgaben sind: Kontakt aufnehmen, ein Angebot verstehen, einen Termin buchen oder Produkte kaufen. Die britische Regierungsleitlinie zum nutzerzentrierten Service-Design empfiehlt: Finden Sie zuerst heraus, wer Ihre Nutzer sind, was sie erreichen wollen und wo sie hängen bleiben. Testen Sie Ihre Entwürfe anschließend mit echten oder wahrscheinlichen Nutzern.

Für ein kleines Projekt reicht ein Blatt Papier. Notieren Sie das Hauptangebot, die wichtigsten Seiten und die Aufgaben, die Besucher dort erledigen sollen. Wenn Sie diese Punkte nicht in zwei Sätzen benennen können, ist das Projekt noch nicht reif für eine Umsetzung. Klären Sie außerdem, welche Inhalte sich regelmäßig ändern. Ein Blog oder ein Veranstaltungskalender braucht ein System, das schnelle Aktualisierung erlaubt. Eine Seite mit fünf statischen Unterseiten kommt mit deutlich weniger aus.

Was eine gute Website heute ausmacht

Gute Gestaltung ist mehr als ein hübscher Auftritt. Relevant sind verständliche Inhalte, eine klare Navigation, die Nutzung auf verschiedenen Geräten, Barrierefreiheit, Ladeverhalten und verlässliche Funktionen. Google beschreibt die sogenannten Core Web Vitals als reale Nutzersignale für Ladeleistung, Reaktionsfähigkeit und visuelle Stabilität. Die empfohlenen Orientierungswerte sind: LCP (Largest Contentful Paint) unter 2,5 Sekunden für das Laden des Hauptinhalts, INP (Interaction to Next Paint) unter 200 Millisekunden für die Reaktionsfähigkeit und CLS (Cumulative Layout Shift) unter 0,1 für die visuelle Stabilität.

Diese Werte sind technische Qualitätsindikatoren, keine Garantie für bessere Suchpositionen. Google ordnet sie in eine breitere Seitenerfahrung ein, zu der auch Inhalte und Nutzerfreundlichkeit gehören. Eine schnelle Seite mit schlechtem Inhalt hilft niemandem. Prüfen Sie die Werte daher als Teil einer Gesamtbewertung, nicht als alleinigen Maßstab.

Barrierefreiheit einplanen

Barrierefreiheit bedeutet, dass Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen die Website nutzen können. Die W3C-Richtlinien WCAG bieten dafür prüfbare Erfolgskriterien, etwa zu Kontrasten, Tastaturbedienung und verständlichen Texten. Ein Theme, Template oder Website-Builder allein beweist keine Barrierefreiheit. Auch Inhalte, konkrete Einstellungen und die Umsetzung müssen geprüft werden.

Für bestimmte Produkte und Dienstleistungen gilt in der EU der European Accessibility Act. Die offizielle EU-Übersicht nennt unter anderem Online-Shops, Ticketing-Plattformen und Bankdienstleistungen. Die Regeln gelten für erfasste Produkte und Dienstleistungen, die nach dem 28. Juni 2025 auf den Markt kommen. Dienstleistende Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und weniger als zwei Millionen Euro Umsatz sind ausgenommen. Ob Ihre Website darunterfällt, hängt vom Anwendungsbereich und der nationalen Umsetzung ab. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, eine rechtliche Einzelfallprüfung ersetzt dieser Beitrag nicht.

Baukasten, CMS oder individuelle Lösung

Die Wahl der Plattform ist eine Abwägung zwischen Einfachheit und Kontrolle. Ein gehosteter Baukasten kann für kleine, klar umrissene Websites eine einfache Startoption sein. Prüfen Sie vor der Wahl, ob die benötigten Funktionen vorhanden sind, ob sich die Inhalte exportieren lassen und welche Kosten laufend anfallen. Für allgemeine Aussagen über alle Anbieter fehlt eine unabhängige Vergleichsstudie. Tarife und Exportgrenzen ändern sich regelmäßig.

Ein Content-Management-System wie selbst gehostetes WordPress bietet Themes, Plugins und weitreichende Anpassungsmöglichkeiten. Dafür braucht die Installation einen geeigneten Server, und Plugins sowie Themes müssen aktualisiert werden. Die WordPress-Dokumentation empfiehlt regelmäßige Backups im Zusammenhang mit Updates. Mehr Kontrolle bedeutet also mehr Verantwortung für Wartung und Betrieb.

Eine individuelle Entwicklung ist dann sinnvoll, wenn spezielle Abläufe, Integrationen oder Anforderungen mit Standardwerkzeugen nicht gut abzubilden sind. Belastbare, vergleichbare Zahlen zu Kosten, Projektdauer und Wartungsaufwand gegenüber Baukasten oder CMS gibt es nicht. Diese Option sollten Sie nur wählen, wenn Sie die zusätzliche Komplexität tatsächlich brauchen. Mehr Funktionen oder mehr Gestaltungsfreiheit sind nicht automatisch besser, wenn die Website dadurch schwerer zu pflegen wird.

Fragen vor dem Start beantworten

Bevor Sie ein System auswählen, beantworten Sie vier Fragen. Wer aktualisiert die Inhalte nach dem Launch? Wenn niemand dafür zuständig ist, veraltet die Seite schnell. Welche Funktionen müssen beim Start vorhanden sein? Ein Kontaktformular und eine klare Darstellung des Angebots reichen oft aus, ein Blog oder ein Shop lässt sich später ergänzen. Was kann nachgerüstet werden? Prüfen Sie, ob das gewählte System Erweiterungen zulässt, ohne dass Sie alles neu aufbauen müssen. Und wie lässt sich ein Wechsel handhaben? Wenn Sie Inhalte exportieren können, bleiben Sie flexibel.

Rechtliche Anforderungen gehören ebenfalls in die Planung. In Deutschland gilt eine weitreichende Impressumspflicht, geregelt im Digitale-Dienste-Gesetz und im Medienstaatsvertrag. Datenschutzinformationen müssen die tatsächlichen Datenverarbeitungen berücksichtigen, etwa Cookies, Tracking oder Social-Media-Elemente. Klären Sie diese Punkte früh, statt sie nachträglich einzubauen.

Anforderungen kurz testen

Der nächste Schritt ist ein kurzes Briefing. Halten Sie auf einer Seite fest: das Ziel der Website, die wichtigsten Nutzeraufgaben, die notwendigen Funktionen und die Zuständigkeit für die spätere Pflege. Erst danach vergleichen Sie Plattformen oder Dienstleister.

Testen Sie Ihre Annahmen mit einer einfachen Skizze. Zeichnen Sie die Seitenstruktur auf Papier oder in einem einfachen Tool und spielen Sie typische Aufgaben mit wahrscheinlichen Nutzern durch. Die GOV.UK-Methodik empfiehlt: Leiten Sie Aufgaben aus realen Nutzerbedürfnissen ab und prüfen Sie die Ergebnisse wiederholt. Für ein kleines Projekt reichen wenige Testpersonen, die ehrlich sagen, wo sie hängen bleiben. Dieser Test zeigt schneller als jede Diskussion, ob die Struktur trägt.